Fair Grid-Projekt startet am 2. November 2026
Neues Zuteilungsverfahren für Netzanschlüsse mit hohem Leistungsbedarf
Hamburg. Die Hamburger Energienetze sorgen für ein Gleichgewicht zwischen dem verfügbaren Leistungsangebot und der kumulierten Leistungsnachfrage und gewährleisten auch in Zukunft eine hohe Versorgungssicherheit in der Hansestadt.
Um das städtische Stromverteilnetz auf die steigenden Energiebedarfe vorzubereiten, investieren die Hamburger Energienetze schon jetzt und auch in Zukunft erheblich: In den Jahren 2018 bis 2025 wurden rund 2,2 Milliarden Euro in den Um- und Ausbau der Netze investiert. In den kommenden fünf Jahren sind Investitionen in Höhe von rund 3 Milliarden Euro vorgesehen. Hinzu kommen rund 174 Millionen Euro für den Bau der Wasserstoffinfrastruktur HH-WIN, über das die Hamburger Industrie zukünftig mit Wasserstoff versorgt werden kann.
Mit dem Fair Grid-Projekt reagieren die Hamburger Energienetze auf die Verzögerungen beim Ausbau von Netzverknüpfungspunkten durch den Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz und die zuletzt sprunghaft gestiegenen Anschlussanfragen für Anlagen mit hohem Leistungsbedarf.
Auch andere Regionen in Deutschland haben ihre Anschlussverfahren bereits umgestellt. Angesichts des rasant wachsenden Strombedarfs in Verbindung mit dem in der Bundesrepublik verzögerten Ausbau der Netzinfrastruktur setzen Städte wie Frankfurt am Main, Berlin oder Düsseldorf sowie mehrere Flächenländer bereits auf neue Vergabeverfahren für Netzkapazitäten.
Diesen Weg muss nun auch der Hamburger Netzbetreiber gehen: Bis der Ausbau durch den Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz an den Schnittstellen erfolgt ist, können in der Hansestadt derzeit keine zusätzlichen Großanschlüsse mit Leistungsbedarfen größer 1,5 MVA in der Mittel- oder Hochspannung vergeben werden. Sobald Leistungsreserven vorhanden sind, werden diese transparent und diskriminierungsfrei unter den Antragstellern für neue Anschlüsse und Bestandskunden mit Anfragen zu Leistungserhöhungen aufgeteilt. Dazu wird die verfügbare Leistung von den Hamburger Energienetzen jedes Jahr aufs Neue berechnet.
Modernisierungskurs wird fortgesetzt
Bereits vor dem Start des Fair Grid-Projekts zugesicherte Anschlüsse und Leistung in der Mittel- und Hochspannung werden vertragsgemäß realisiert. Für die Bereiche Industrie, Wärmeversorgung und Mobilitätswende, aber auch für Rechenzentren werden dabei in den nächsten Jahren zusätzliche Anschlüsse mit einer Gesamtleistung von über 400 MW realisiert. Aktuell liegt die Netzhöchstlast im Hamburger Verteilnetz bei rund 1.800 MW.
Netzanschlüsse für Projekte der ortsnotwendigen Daseinsvorsorge, z.B. für neue Krankenhäuser oder den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, werden im Rahmen des neuen Zuteilungsverfahrens der Hamburger Energienetze prioritär behandelt und angeschlossen.
Keinerlei Änderungen gibt es für neue Netzanschlüsse von Verbrauchsanlagen mit einem geringeren Leistungsbedarf bis 1,5 MVA Bezugsleistung. Dies betrifft zum Beispiel Hausanschlüsse für Wärmepumpen, private Wallboxen für E-Autos, typische Handwerksbetriebe oder Anschlüsse für neue Wohnquartiere. Auch der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur geht ungebremst weiter. Ausnahmen gibt es bei Netzanschlüssen für Batteriespeicher. Hier gilt ein Schwellenwert von 300 kVA Bezugsleistung für die Teilnahme am Fair Grid-Verfahren.
Mehr Tempo beim Ausbau von Netzverknüpfungspunkten
Um die notwendigen Netzkapazitäten für den Anschluss aller Kundinnen und Kunden, die an das Hamburger Stromverteilungsnetz angeschlossen werden wollen, bereitstellen zu können, ist ein schneller Ausbau der Netzverknüpfungspunkte durch den Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz erforderlich. Die Hamburger Energienetze setzen sich in enger Abstimmung mit dem Hamburger Senat dafür ein, dass die Bereitstellung zusätzlicher Trafokapazitäten durch den Übertragungsnetzbetreiber priorisiert und planungssicher erfolgt.
Zeitgleich entwickeln die Hamburger Energienetze technische Lösungen, um die vorhandenen Kapazitäten effizienter nutzen zu können. Die Hamburger Energienetze beteiligen sich auch an einer gemeinsam vom Hamburger Senat und der Landesregierung Schleswig-Holstein im Rahmen der bilateralen Kabinettssitzung beschlossenen Arbeitsgruppe mit den Übertragungsnetz- und Verteilnetzbetreibern der benachbarten Länder.
Beratung zu individuellen Anschlussvorhaben
Unternehmen, die in Hamburg neue Verbrauchsanlagen mit Leistungsbedarfen über 1,5 MVA in der Mittel- oder Hochspannung planen, bieten die Hamburger Energienetze individuelle Gespräche zu möglichen Übergangslösungen und Realisierungszeitpunkten für die jeweiligen Projekte an.
“Wir werden jedes Jahr aufs Neue analysieren, wie viel Leistung wir in der Mittel- und Hochspannung vergeben können. Gleichzeitig arbeiten wir gemeinsam mit 50Hertz an technischen Lösungen, um die zur Verfügung stehenden Kapazitäten effizienter nutzen zu können.”Michael Dammann, Geschäftsführer der Hamburger Energienetze, Ressort Assetmanagement und Netzbetrieb
“Wir werden auch in Zukunft eine große Anzahl an Anschlüssen realisieren: für Wärmepumpen oder Wallboxen und für alle Anlagen unter 1,5 MVA. Dazu kommen bereits vertraglich zugesagte Anschlüsse mit einer Gesamtleistung von über 400 MW. Um diese große Aufgabe zu meistern, werden wir in der ersten Runde des Fair Grid-Verfahrens keine zusätzliche Leistung für energieintensive Anlagen bereitstellen können.”
Dr. Peter Wolffram, Geschäftsführer der Hamburger Energienetze, Ressort Unternehmen und Kunde